Müllers Ulm: Zugedröhnt

Wie wird wohl später ein typischer Vertreter der 2010er-Jahre dargestellt? Ich denke, mit Smartphone und, ganz wichtig, einem riesigen Kopfhörer. Denn egal wo man heute hingeht, begegnet man ihnen: den Kopfhörermenschen.

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Wie wird wohl später ein typischer Vertreter der 2010er-Jahre dargestellt? Ich denke, mit Smartphone und, ganz wichtig, einem riesigen Kopfhörer. Denn egal wo man heute hingeht, begegnet man ihnen: den Kopfhörermenschen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich völlig von der Welt abkapseln, und zwar in Situationen, in denen sie eigentlich mitten im Geschehen sind. Wie im Bus, in der Straßenbahn, beim Stadtbummel, beim Radfahren oder sonst wo im prallen Leben.

Warum machen die das eigentlich?

Man erkennt sie meist am weggetretenen Gesichtsausdruck, leicht dümmlich anmutend, teilweise Kopfhörer mit Lautsprechern in der Größe eines Schweizerkäserades auf den Ohren. Man fragt sich: Warum tun die das alle eigentlich? Haben die so gute Musik gefunden, dass man einfach keine Sekunde davon verpassen darf? Haben sie einfach überhaupt keine Lust auf Interaktion mit der Umwelt und ihren Mitmenschen? Ist es der Versuch, gegen die aktuelle Achtsamkeitswelle zu rebellieren - nur nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Wie das Bild der drei Affen in Personalunion? Gedankenverloren steuert das menschgewordene Desinteresse also durch die Straßen und verpasst die Stimmen der Stadt: das ansteckende Lachen des kleinen Mädchens, die Frage nach Hilfe von der schüchternen jungen Dame, die melodischen Kirchenglocken und auch die bimmelnde Straßenbahn, deren Warnlaut nicht durchdringt. Und damit verpassen Kopfhörermenschen auch die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, denn deutlicher kann man "Ich will für mich sein" kaum ausdrücken.

Vielleicht hilft ja ein freundliches Lächeln, um die Kopfhörermenschen zumindest kurz aus ihrer Trance zu wecken - ich werde das auf jeden Fall mal versuchen.

Zitronen und Blumen

Die Blume der Woche geht an eine fruchtbare Woche: herzlich willkommen Emil, Erik und David auf dem Planeten Erde.

Die Zitrone der Woche geht an überdimensionierte Pakete. Winzig kleiner Inhalt, unglaublich riesige Umverpackung - geht das nicht auch eine Nummer kleiner?

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Stefanie Müller

Redaktionsleitung

uwo@swp.de

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