Der Lauf ihres Lebens

Christel Balser ist 70 Jahre alt – eine Frau, die schon vieles erlebt hat. Nun stellt sich die Burlafingerin einer ganz neuen Aufgabe. Als älteste Teilnehmerin läuft sie den Einstein-Marathon.

ALEXANDER KERN |

Unsportlich - so fühlte sich Christel Balser schon im Grundschulalter. Bei den Bundesjugendspielen reichte es nie für eine Siegerurkunde. Beim Volleyball im Sportunterricht war sie oft die Letzte, die ins Team gewählt wurde. Bis in den Ruhestand spielte Sport für die 70-Jährige nie eine besondere Rolle. Doch in diesen Tagen steht die Burlafingerin unter Strom. Fühlt Anspannung. Schläft unruhig. Denn eine der größten Herausforderungen ihres gesamten Lebens wartet am Sonntag. 42,195 Kilometer bis zur Ziellinie unterm Ulmer Münster: der Einstein-Marathon.

GEISTESBLITZ

BEIM BÜGELN

"Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss ..." - dass diese Zeile aus dem Udo-Jürgens-Klassiker keine Floskel ist, beweist Balser mit ihrer Karriere als Läuferin. Als sie vor vier Jahren beim Bügeln einen Fernsehbericht zur Fitness-Aktion "Lauf 10!" sieht, bei der Übergewichtige und Unsportliche auf einen Zehn-Kilometer-Lauf trainieren, denkt sie sich: "Mensch, das kann ich doch auch!" Balser schnürt kurz darauf die Joggingschuhe und absolviert ihre erste Einheit über 300 Meter. "Ich war danach so aus der Puste, aber habe mich total über die geschaffte Strecke gefreut", blickt sie zurück.

Nach und nach wird Balser vom Lauffieber gepackt. Trainiert mehrmals pro Woche. Führt Buch über ihre Fortschritte und nimmt 2014 am Ulmer Stadtlauf über zehn Kilometer teil - als Einzige in ihrer Altersklasse. "Es war der erste sportliche Wettkampf meines Lebens - ein tolles Gefühl", so die Läuferin, deren nächste Steigerung nicht lange auf sich warten lässt. 2016 wagt sie sich an den Einstein-Halbmarathon und schleppt sich am großen Tag unter Tränen über die Ziellinie. "Nach einer Woche grenzenloser Euphorie machte sich in meinem Kopf allerdings die Gewissheit breit: Halb ist nicht ganz." Unter Herzklopfen meldet sie sich im Dezember 2016 zum Einstein-Marathon an.

AUS DEM TIEF

HERAUSGEKÄMPFT

"Das ist doch verrückt", bekommt Christel Balser anfangs von ihrem Mann zu hören. Doch schließlich unterstützt er das Vorhaben seiner Frau. Genau wie die drei Söhne des Ehepaars. Als Motivation bekommt Balser zu Weihnachten vier Umschläge mit Gutscheinen darin geschenkt. Nach jedem Meilenstein im Training darf sie einen einlösen: nach 10, 20, 30 und 40 Kilometern. "Solche kleinen Anreize sind in der Vorbereitungszeit Gold wert", findet Balser. Denn trotz Trainings- und Ernährungsplan, Meditationsübungen und der Glücksgefühle beim Laufen fällt sie im Sommer in ein emotionales Loch. Wird von Selbstzweifeln geplagt: "Ein Marathon mit 70 Jahren? Ich mache mich doch lächerlich!", "Was bringt mir das denn überhaupt?", "Das schaffe ich doch sowieso nicht!"

Wie Balser diese Phase überwindet? Sie macht weiter. Trainiert. Bei Wind und Wetter. Die Fortschritte geben ihr Kraft. Ziehen sie aus ihrem Tief. Und so schafft Balser am vergangenen Mittwoch zum ersten Mal die 40 Kilometer - in sechs Stunden. Der Kardiologe gibt nach regelmäßigen Checks während der Trainingsphasen grünes Licht - der Traum vom Marathon wird tatsächlich wahr. Dementsprechend aufgeregt ist Balser auch und hofft, dass Wetter und Tagesform am Sonntag mitspielen: "Wenn ich es ins Ziel schaffe, bin ich überglücklich und zeige so allen in meinem Alter, dass nichts unmöglich ist. Vielleicht bekomme ich im nächsten Jahr in meiner Altersklasse ja sogar Konkurrenz."

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