Nachtaktiv: Pech gehabt ...

Freitagmorgen. Voller Elan sitze ich im Auto und zirkle mich durch die Baustellen Richtung Bahnhof. Der Morgen ist eng getaktet.

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Freitagmorgen. Voller Elan sitze ich im Auto und zirkle mich durch die Baustellen Richtung Bahnhof.

Der Morgen ist eng getaktet. Nach der Fahrplatzreservierung für die Bahn auf dem Weg zu einem Konzert nach Österreich will ich noch schnell ins Stadthaus, die aktuelle Fotoausstellung von Herlinde Koelbl - "Mein BlickWerke" - anschauen. Die Fotografin ist international keine Unbekannte und hat schon für die "New York Times" gearbeitet. Herlinde Koebl machte in den 80ern das erste Mal mit der Fotoserie "Das Deutsche Wohnzimmer" auf sich aufmerksam. Dabei fotografierte sie Menschen aus allen Gesellschaftsschichten in ihrer guten Stube.

Der Kolumnist

als Partycrasher

Das Glück scheint tatsächlich auf meiner Seite. An der Ulmer Großbaustelle und in der Innenstadt finde ich sofort einen Parkplatz. Der erfolgreichen Mission "schneller Ausstellungsbesuch und Kolumne während der Zugfahrt schreiben" steht nichts mehr im Weg. Bis ... ja, bis ich auf die Europaversammlung der VH im Stadthaus treffe. Im Treppenaufgang trötet ein Saxofon. Vielleicht treffe ich den Kollegen Ralf Ritscher, denke ich mir. Nö, stattdessen stehe ich zwischen gut gelaunten und schick gekleideten Menschen mit Namensschildchen. Und ich mittendrin - als Partycrasher mit kurzer Hose und in Flipflops. Die Ausstellung ist für Besucher gesperrt, mein Plan voll im Eimer. Hartnäckig frage ich nach und versuche mein Glück ... aber ohne Erfolg.

Eine ganz eigene

Gesellschaftsstudie

Während ich tagsdrauf in die Wachau tucker, mache ich mir notgedrungen meine eigene Gesellschaftsstudie und werde dabei bestens unterhalten. Anstelle also über Fotografien zu schreiben, sitze ich mit drei jungen Amerikanerinnen am Viererplatz und beobachte die Mädels amüsiert, als sie ihre Vesperpakete aus dem Hostel öffnen. Am Salamibrot wird kritisch gerochen und das Kinder-Pingui akribisch untersucht. Den Drucktest besteht der Minikuchen nicht mehr. Ist durch die Hitze leider schon Matsch. Der Hunger treibt es rein, es folgen zufriedene Gesichter. Eine Reihe hinter mir amüsiert sich eine rüstige Mädelsgang aus Bad Saulgau in einer Höllenlautstärke. Die Damen sind auf den Weg zu einer Flusskreuzfahrt. Im breitesten Schwäbisch wird über die Abendkleider und das anstehende Captains-Dinner geratscht und dabei gleich der ganze Wagen unterhalten. Die Kleinfamilie neben mir bändigt souverän ihre zwei Kinder mit Bibi und Tina und einer famosen Auswahl an Ausmalheftchen.

In Salzburg steigt die schwäbische Partybrigade aus. Auf einmal herrscht Stille im Zug. Und mir wird klar: Tja, da muss ich diese Woche wohl nochmal ins Stadthaus dackeln ...

Frede Ferber

uwo@swp.de

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