Nachtaktiv: Ab nach drinnen

Sonne, warm, windig, Regen, kalt. Das Wetter spiegelt meinen eigenen Zustand wider. Die erste Erkältungswelle schwappt durch die Region. Mich hat's erwischt. Bin leicht erkältet, hab Halsweh, obendrein steinmüde und steh kurz vor dem ersten Selbstmitleidsmeckerer.

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Sonne, warm, windig,

Regen, kalt. Das Wetter spiegelt meinen eigenen Zustand wider. Die erste Erkältungswelle schwappt durch die Region.

Mich hat's erwischt. Bin leicht erkältet, hab Halsweh, obendrein steinmüde und steh kurz vor dem ersten Selbstmitleidsmeckerer. Nach einem Konzert im Thüringer Wald ist der Kaffee zum Mitnehmen leichtes Tagesdoping und eine Rückversicherung für meine Umwelt. Mit Koffein stell ich nur eine leichte Gefahr dar und schaffe gerade noch einen freundlichen Umgangston. Ich schlurfe brummelnd rüber zum Stadthaus. "Wilde Tiere in der Stadt" heißt die neue Fotoausstellung. Dabei werden keine feierwütigen Nachtschwärmer oder grauslig verkleideten Junggesellenabschiede ausgestellt. Vier Fotografen haben aus der ganzen Welt das Tierleben in Großstädten abgelichtet. Ich denke sofort an Ratten und Taubenkolonien und an die Horrorgeschichten von ausgewachsenen Alligatoren in der New Yorker Kanalisation. Als ich mich mit meinem Becher die Treppen in den ersten Stock hochquäle, falle ich sofort der gewissenhaften Mitarbeiterin des Hauses auf. Die ruft mir noch irgendwas über das Geländer zu. Meine Ohren sind schon ein wenig dumpf, ich versteh nichts. Prima denke ich mir, wieder mal in kürzester Zeit jede Menge Aufmerksamkeit verursacht. Kein Kaffee

erlaubt, die Werke sind zum Teil ungeschützt. Ich stürze die lauwarme Brühe runter und versuche die Vernunft über mein gekränktes Ego gewinnen zu lassen. In Amsterdam sind Graureiher ein fester Bestandteil des Stadtlebens und in Japan laufen Hirsche durch die Stadt. Florian Müller hat eine Wildschweinrotte beim Flanieren über Berlins Straßen fotografiert. Jetzt bin ich überrascht. Ich habe des Galliers Lieblingsspeise mal beim Klettern im Donautal vorbeigaloppieren sehen und mich schnell mit der Bandschlinge in die Sicherung genommen. Mein Seilpartner wurde von der Meute zum Glück nicht niedergetrampelt. Die Bilder beruhigen mich irgendwie ...

Atem- und kraftlos

Im hinteren Teil ist die Audioinstallation von Silke Schwarz zu hören. Eine Instrumentalversion von Helenes "Atemlos" kommt in einer Dauerschleife aus tiefhängenden Boxen und ich durfte wieder etwas lernen. Es ist nicht modern, wenn man seine Eindrücke Siri diktiert und dabei aufs Handy starrt und dabei schier gegen die Boxen knallt. Meine Aufmerksamkeitsspanne gleicht der eines Goldfisches. Ich schnapp mir einen Kopfhörer und höre gefühlt drei Sekunden zu. Das hat heut keinen Wert. Ich muss ausgeruht wiederkommen. Leicht gefrustet fahr ich heim und lege mich schmollend aufs Sofa.

Frede Ferber

uwo@swp.de

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