Cannabis auf Rezept

TERESA NAUBER/DPA Ärzte in Deutschland können ihren Patienten seit März Cannabis auf Rezept verordnen. Die Krankenkassen sollen es auf Antrag des Arztes bezahlen. Doch welche Patienten können mit Cannabis behandelt werden?

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TERESA NAUBER/DPA

Ärzte in Deutschland können ihren Patienten seit März Cannabis auf Rezept verordnen. Die Krankenkassen sollen es auf Antrag des Arztes bezahlen. Doch welche Patienten können mit Cannabis behandelt werden? Bisher ist die Studienlage sehr dürftig, erklärt Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga. "Es gibt aktuell ausreichend Daten zu einer erfolgreichen Schmerzbehandlung von Patienten mit Neuropathien, Tumorschmerzen sowie Spastik bei Multipler Sklerose", sagt er.

ABSTAND

VOM SCHMERZ

Denkbar sei aus seiner Sicht darüber hinaus der Einsatz bei Patienten mit chronischen Schmerzen, die dadurch psychisch stark beeinträchtigt werden: "Cannabis wirkt ja unter anderem distanzierend, so dass Patienten damit mitunter etwas Abstand zu ihren chronischen Schmerzen bekommen." Aber: Cannabis ersetzt in solchen Fällen andere Medikamente nicht. "Cannabis kann und sollte anfänglich zusätzlich zur bisherigen Medikation gegeben werden", sagt Überall. Viele Patienten berichten, dass Cannabis gerade, wenn die bisherige Therapie nicht ausreichend wirksam war, die Beschwerden lindern kann. So ist es laut Gesetz auch vorgesehen. Cannabis soll nur als letzte Option in Betracht gezogen werden - wenn alle anderen Therapieformen nicht erfolgreich waren.

Der Arzt kann zur Verabreichung entweder die beiden in Deutschland verfügbaren Fertigarzneimittel verschreiben, sogenannte Rezepturarzneien mit Cannabisextrakten, oder die Blüten der Pflanze. Viele Patienten berichteten, dass die ganze Blüte ihnen deutlich besser helfe als eine Fertigarznei, erklärt Andreas Kiefer, der Präsident der Bundesapothekerkammer. "Die Blüte enthält mehr als 100 Wirkstoffe, die möglicherweise zusammenwirken."

DIE BLÜTEN

SIND KEIN JOINT

Niemand soll Cannabisblüten in einem Joint verbrennen, sagt Kiefer. "Dabei ist die Menge, die der Patient zu sich nimmt, nicht reproduzierbar." Die Blüten selbst lassen sich nicht so genau abwiegen - sie werden daher vom Apotheker zermahlen. Der Patient erhält das Pulver portioniert oder mit einem Dosierlöffel. Er kann sich daraus einen Tee kochen oder das Pulver auf einen elektrischen Verdampfer geben. "Der Dampf wird zum Beispiel in einer Kunststofftüte gesammelt, die der Patient anschließend leer atmet", erklärt Kiefer.

Wichtig sei, dass die Blüten erhitzt werden: "Erst bei rund 160 Grad werden alle Wirkstoffe freigesetzt." Deswegen sei eine Inhalation oft wirksamer als das Trinken von Tee, denn siedendes Wasser hat nur 100 Grad Celsius. Die Anschaffungskosten für den Verdampfer übernehmen die Kassen allerdings nicht, betont Überall.

Zahlen die Krankenkassen Cannabis immer, wenn der Arzt es gut heißt? Nein. Cannabis als Medizin ist keine Regelleistung der Kassen, sondern unterliegt dem Erstattungsvorbehalt. Der Arzt muss in einem Antrag drei Dinge nachweisen: erstens, dass der Patient schwer krank ist. Bei einem chronischen Schmerzpatienten, der weiterhin arbeiten geht, kann das schwierig sein. Zweitens muss dargelegt werden, dass alle gängigen Behandlungsmöglichkeiten erfolglos ausgeschöpft wurden. Und drittens, dass die Gabe von Cannabis Erfolg versprechend ist und die zu erwartenden Wirkungen und Nebenwirkungen in einem positiven Verhältnis zueinander stehen. Bisher lehnen die Kassen die Übernahme häufig ab. In dem Fall hat der Patient die Möglichkeit, die Kosten selbst zu tragen.

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